Der Anfang
Hineingeboren in den kulturellen Schmelztiegel Wien, aufgewachsen in einer Zeit, in der die Arbeit von Nikolaus Harnoncourt, Frans Brüggen und Gustav Leonhardt die Alte Musik veränderte.
Fasziniert vom Klang der Barockflöten, nicht zuletzt durch den persönlichen Kontakt mit dem australischen Flötenbauer Fred Morgan, der damals in Wien forschte.
Heiligenberg
1985 gründete sie gemeinsam mit Walter Waidosch die Heiligenberger Abendserenaden, die Konzertreihe für Alte Musik in der barocken Wallfahrtskirche. Der Nachruf auf Walter nennt sie dort als Irmgard Tutschek-Waidosch.
Die Reihe steht bis heute in der Satzung des Vereins als sein wichtigster Zweck.
Ausbildung
Konzertdiplom für Blockflöte mit Auszeichnung, Musikhochschule Wien, 1985. Zwei Jahre zuvor die staatliche Lehrbefähigung. Mit einem Stipendium der Stadt Wien Aufbaustudium in Rotterdam bei Professor Han Tol, Diplomabschluss 1988.
Daneben Gaststudium Viola da Gamba bei Professor August Wenzinger und Aufführungspraxis Alter Musik bei Nikolaus Harnoncourt am Mozarteum in Salzburg.
Ihr Weg
Die folgenden Stationen stammen aus einer chronologischen Aufstellung, die sie selbst bis 2015 geführt hat.
- 1959Geboren in Wien
- 1982Erste Assistenz als ReferentinSeminar für Alte Musik in Niederaltaich, Niederbayern
- 1985Konzertdiplom mit AuszeichnungIm selben Jahr Solistin beim Gamerith Consort in Graz und Stipendium der Stadt Wien
- 1985Heiligenberger AbendserenadenGegründet mit Walter Waidosch, bis 2002 als Veranstalterin
- 1986Ramovs Consort, Ljubljana
- 1988Diplomabschluss in RotterdamBei Professor Han Tol
- 1989Amadigi im Gasteig MünchenIm selben Jahr Händelfestspiele Halle mit dem Ersten Barockorchester Heiligenberg, und Solistin bei L'Arpa Festante
- 1989 bis 1992Managerin der MeisterkurseMit Kees Boeke und Han Tol in Süddeutschland
- 1991 bis 2002Konzerttourneen mit EST!
- 1993 bis 1997Lehrbeauftragte am Mozarteum SalzburgBlockflöte Konzertfach und Didaktik
- 1985 bis 2002Dozentin in RothenfelsPfingst-Barockmusikkurse
- 1997 bis 2002Ferienmusikwerkstatt Vlotho
- 1997, 2000, 2002Drei CDs mit EST!Musikalische Luftreisen, Moosburger Graduale, Laude novella
- 2000 bis 2002Herbstkurse in der ToskanaMit dem Barocktänzer Lieven Baert
- ab 2003Zusammenarbeit mit Mike TurnbullPercussion. Von 2004 bis 2007 gemeinsam Inhaber von tu-music, einem Fachhandel für Blockflöten und Percussion
- 2005Solistin bei den Bielefelder Philharmonikern
- 2007Third WayProjekt mit dem Kontrabassisten Stefan Weeke
- 2008couchkulturIhre private Konzertreihe
- 2009LippeBarock mitbegründet
- 2010Ausbildung in Touch for Health
- 2011Lehrauftrag Musikhochschule DetmoldHistorische Aufführungspraxis und Marimba
- 2013RAUMZEIT, Alte Musik in DetmoldIm selben Jahr ihr erster WINDKANAL-Artikel über Blockflöte und Percussion
- 2014ORFEO Detmold e.V. gegründetErster Vorsitz
- 2015Künstlerin des JahresIm Rahmen des Ensembles EST!, gewählt von der Kulturstiftung Marienmünster OWL. Im selben Jahr Gastdozentin an der Musik und Kunst Privatuniversität Wien
Als Musikerin
Ihr Interesse als Solistin galt der Musik des 14. Jahrhunderts, daneben arbeitete sie in Projekten zwischen Alter und Neuer Musik.
Musikalische Zusammenarbeit unter anderem mit Caprice Stuttgart und Matthias Maute, den Wiener Barocksolisten, dem Ensemble EST! für Musik des späten Mittelalters, dem Barockorchester L'Arpa Festante München, dem Gamerith Consort Graz, dem Ramovs Consort Ljubljana und der Philharmonie Bielefeld.
2015 wurde sie im Rahmen des Ensembles EST! von der Kulturstiftung Marienmünster OWL zur Künstlerin des Jahres gewählt.
Eigene Formationen zogen sich durch ihre Arbeit: Barocke Lust als Trio mit Frauke Pöhl an der Geige und Wiebke Weidanz am Cembalo, das Vinorosso Quintett, La Passacaglia, das Trio Coronella, ein Duo mit Mike Turnbull und ein Österreichprogramm für Barockflöte und Basso continuo mit Werken von Biber, Schmelzer, Muffat und Fux.
Als Veranstalterin
In Detmold baute sie zwei eigene Reihen auf: couchkultur und RAUMZEIT, Alte Musik in Detmold. Belegt sind unter anderem ein Adventskonzert 2012 in der Kapelle Sankt Bonifatius und eine Festa Italiana 2013 auf Burg Sternberg.
Seit 2012 war sie erste Vorsitzende von ORFEO Detmold e.V., einem Verein zur Förderung der Neuen Alten Musik. Die Konzerte liefen mit Newsletter, Mitgliedschaft und ermäßigten Karten für Mitglieder. Aus einem Programmheft von 2014: sie wünschte ihrem Publikum einen inspirierenden und entspannenden Abend.
Als Lehrerin
Von 1994 bis 1999 Lehrbeauftragte für Konzertfach Barockflöte und Didaktik an der Musikhochschule Mozarteum in Salzburg. Seit 2009 Lehrauftrag an der Musikhochschule Detmold. Dozentin auf zahlreichen Kursen für Alte Musik.
Ihr eigener Ansatz: eine ganzheitliche Pädagogik für Blockflöte und Instrumentalisten, ergänzt um eine Ausbildung in Touch for Health. Dazu Coaching für die Interpretation Alter Musik über alle Instrumentensparten hinweg.
Ab Herbst 2015 arbeitete sie als Ensembleleiterin an der Musikwerkstatt Abensberg bei Regensburg, 2016 gründete und leitete sie das Münchener Blockflötenorchester.
Zwei Lehrwerke
Im Archiv liegen zwei fertige Lehrwerke, beide unveröffentlicht. Eines für Kinder, eines für Erwachsene.
Meine klingende Flötenwelt
Eine ganzheitliche Schule für Blockflöte, 131 Seiten, abgeschlossen am 26. August 2014. Daneben liegen 513 Arbeitsdateien: Übungsblätter, Illustrationen, Verlagsunterlagen und ein Anschreiben an den Verlag Mollenhauer.
Techniken zum Erfolg
Das zweite Werk, für erwachsene Bläser. Sie beschreibt es selbst als praxisorientierte Sammlung ganzheitlicher Übungsmodelle, gedacht als Ergänzung zu jedem instrumentenspezifischen Unterricht.
Der Aufbau folgt drei Schritten, die sie auch für den Unterricht vorschlug: Einstimmen, also Körper und Geist als verlängertes Instrument vorbereiten. Reflektieren, also die Abläufe und die eigenen Möglichkeiten beobachten. Und Musikfluss, in dem Ausdruck und Inspiration geschehen, ohne dass an der Technik korrigiert wird.
Eingearbeitet sind Methoden, mit denen sie über Jahre gearbeitet hat: die polare Atemtypenlehre, Musik-Kinesiologie, Feldenkrais, Cantienica, Harazentrum und Shinui. Übungen, die nicht von ihr stammen, hat sie durchgehend als Zitat gekennzeichnet.
Das Basisheft behandelt Eigenwahrnehmung, Haltung, Atem, Finger und Zunge, ein zweites Heft Klangqualität, Intonation und Rhythmus. Angelegt war es auf weitere Folgebände.
Über das Üben
Aus dem einleitenden Kapitel:
„Alles, wogegen man sich wehrt, bleibt bestehen oder wird stärker.“
Sie schlägt vor, Fehler erst einmal neutral zu beobachten, statt sie sofort verbessern zu wollen. Und statt zu fragen, warum man so fehlerhaft sei, lieber zu schauen, wie man selbst funktioniert, und darauf aufzubauen.
Offen: Wie weit die Sache mit dem Verlag gediehen war und ob eines der beiden Werke veröffentlicht werden soll. Beide sind vollständig genug, dass eine Veröffentlichung möglich wäre.
Als Autorin
Zahlreiche Fachartikel erschienen in der Blockflötenfachzeitschrift WINDKANAL, unter anderem zu Blockflöte und Perkussion, zum Image der Blockflöte und eine zweiteilige Folge unter dem Titel Windgeschwindigkeiten.
Im Ordner mit den geplanten Artikeln liegen zwei unfertige Texte: einer über das Lernen in Bewegung, einer über das Üben unter dem Titel Glückliches Lernen.
Begegnungen
Ein CD-Projekt, das der Blockflöte die Ehre geben sollte.
Aus ihrer eigenen Projektbeschreibung: Musik vom Mittelalter bis zur Klassik, dazu Improvisation, Zeitgenössisches und Traditionelles. Nicht als Crossover gedacht, sondern als Zusammenklang unterschiedlicher Epochen und Instrumente. Sie wollte Wege wagen, musikalische Inhalte im Sinne der historischen Aufführungspraxis neu zu beleben, durch Instrumentierungen, die ein Nadelöhr für neue Hörerlebnisse öffnen.
Ihr letzter Satz dazu: sie hoffe, mit diesem Projekt vielleicht scheinbar Unmögliches möglich machen zu können.
Finanziert werden sollte es über eine Crowdfunding-Kampagne. Dafür entstanden Handzettel, Gutscheine und einundzwanzig kurze Videoclips, in denen sie in die Kamera spricht. Die Dateinamen tragen noch ihre Notizen: „sehr fröhlich“, „das war super“, „mit eurer Hilfe“.
Im Archiv liegt außerdem ein Ordner mit dem Titel Begegnungen Leo-Irmgard, mit Produktionsunterlagen zu Aufnahmen von Leo und Konstanze.
Offen: Ob die CD je erschienen ist. Im Archiv liegen fertige Tracks, ein vierminütiger Zusammenschnitt und ein Interviewfilm, aber kein fertiges Album.
Ihr Archiv
Ihr Nachlass ist vor allem ein Bild- und Tonarchiv. Fast 42.000 Dateien, überwiegend Video und Foto.
| Bereich | Umfang |
|---|---|
| Eigene Konzertmitschnitte | 119 Filme, 8 Stunden 11 Minuten |
| davon Dufay-Programm | 25 Filme, 2 Stunden 6 Minuten |
| Projekt Begegnungen | 44 Filme, 1 Stunde 46 Minuten |
| Duo mit Mike Turnbull | Sternberg, Wien und Bad Meinberg, 2012 bis 2014 |
| Coaching und Unterricht | über tausend Dateien |
| Musikwerkstatt Abensberg | knapp dreitausend Dateien seit 2015 |
| Familienarchiv Heiligenberg | 32 Stunden, überwiegend digitalisierte Hi8-Bänder |
| Fotografien | rund 22.000 Bilder |
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Neues über sie
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