
Kurz gesagt
Geboren am 2. November 1949 in München. Er studierte dort Geschichte, Musikgeschichte und Literatur und spielte seit Schülerzeiten in Streicherensembles.
1978 überraschte er seine Umgebung mit einer Ausbildung zum Geigenbauer, in der Werkstatt von Hartmut Münzberg in Heiligenberg bei Schönau im Kreis Rottal-Inn. Seine Gesellenprüfung war der Viola da Gamba gewidmet.
Danach vertiefte er die historische Aufführungspraxis bei Nikolaus Harnoncourt in Salzburg und studierte Viola da Gamba bei José Vázquez in Wien. Anschließend kehrte er nach Heiligenberg zurück und bildete dort mit Hartmut Münzberg über viele Jahre Instrumentenbauerinnen und Instrumentenbauer aus.
Er starb am 3. August 2025 in Detmold nach kurzer schwerer Krankheit, im Alter von 76 Jahren.
Der Musiker
Neben seiner Arbeit als Geigenbauer war er freischaffender Gambist. Er spielte bei Konzerten sowie Film-, Funk- und CD-Aufnahmen mit den Niederalteicher Scholaren unter Konrad Ruhland, den Wiener Barocksolisten, der Landshuter Hofmusik, dem Chamber Orchestra of Europe und der Freisinger Hofmusik.
Die Beschäftigung mit der Musik um 1400 und ihrem Instrumentarium führte zur Gründung der Ensembles EST!!! und Cordatum, mit denen vier CD-Produktionen entstanden. Später kam AlbaCanta hinzu, dessen Programm Maddalena auch dem Herbstkurs in Maguzzano den Namen gab.
Mit Jürgen Wolf arbeitete er an der Nikolaikirche in Leipzig bei den Bach-Tagen zusammen, unter anderem für eine Einspielung der Johannespassion in historischer Besetzung.
Die Barockopern
Lange bevor daraus die Faschingsseminare wurden, leitete er große Opernprojekte.
- 1981Il Pomo d'oroMarc Antonio Cesti
- 1984Meli MeloBarockoperette
- 1985 bis 1989AmadigiGeorg Friedrich Händel, am Gasteig in München und bei den Händelfestspielen Halle in Bad Lauchstädt
- 1990La SmorfiaAgostino Steffani, am Gasteig in München
Ab 2004 setzte sich diese Arbeit in den Faschingsseminaren fort, zunächst in Zell an der Pram. Achtzehn dokumentierte Jahrgänge, jeder mit einem eigenen Werk.
Der Instrumentenbauer
Die Meisterwerkstätte für Streichinstrumente in Heiligenberg in Niederbayern führte er gemeinsam mit Hartmut Münzberg, gegründet 1985. Der Schwerpunkt lag auf Streich- und Zupfinstrumenten aus Mittelalter, Renaissance und Barock: Gamben, Lironi, Fideln, Lauten.
Auf Burg Sternberg entwickelte er ab 2004 die Instrumentenwerkstatt, restaurierte die Exponate der historischen Sammlung, zeigte Schulklassen das Handwerk und begleitete Instrumentenbauer, die sich ein eigenes Instrument fertigen wollten.
Die Sammlung dort besitzt einen seltenen Lirone, eine Lira da Gamba, die vom 15. bis ins 17. Jahrhundert als sechzehnsaitiges Continuo-Instrument gespielt wurde. Als er 2004 an die Burg kam, war das Instrument in beklagenswertem Zustand. Erst in der Zeit der Corona-Einschränkungen fand er die Muße, es zu renovieren.
Das Bildarchiv enthält über hundert Aufnahmen aus der Werkstatt, von der Zargenform über die Leimzwingen bis zum fertigen Instrument. Sie zeigen, wie ein Lirone entsteht.




Der Lehrer
Er war Dozent und Kursleiter auf Tagungen für Instrumentenbau und Alte Musik in Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien. An der Heimvolkshochschule Burg Rothenfels am Main betreute er über zwanzig Jahre Lehrgänge für Alte Musik, historischen Tanz und Instrumentenbau.
Seit 2004 leitete er die Akademie Burg Sternberg, das Zentrum für Alte Musik und historischen Instrumentenbau der Kulturagentur des Landesverbandes Lippe. Unter diesem Dach liefen die Kurse in Zell, Maguzzano, Schiermonnikoog, Badia a Ruoti und auf der Burg selbst.
Außerdem war er als Herausgeber tätig, mit Schwerpunkt auf der Musik des späten Mittelalters, und saß im Vorstand des Archivs der Jugendmusikbewegung in Wolfenbüttel.
Die Heiligenberger Abendserenaden
1985 gründete er gemeinsam mit Irmgard Tutschek-Waidosch die Heiligenberger Abendserenaden in der barocken Wallfahrtskirche.
Die Reihe ist in der Vereinssatzung ausdrücklich als Zweck genannt. 2025 hätte sie zum vierzigsten Mal stattfinden sollen. Zu diesem Zeitpunkt war er Vorsitzender des Vereins Kunst und Kultur in Niederbayern.
Der Erzähler
Auf Reisen zu italienischen Bibliotheken suchte und fand er unentdeckte Noten, historische Dokumente, verschollene Schriftstücke und biografische Notizen. Später fand er vieles auch digitalisiert vom Schreibtisch aus.
Aus diesem Fundus schöpfte er seine Einführungsworte, Anekdoten und Geschichten. Auf seinen CDs stehen die Stücke nie für sich, sondern immer in einem zeitlichen, regionalen und thematischen Zusammenhang, den er selbst in den Booklets ausbreitete.
Zwei Beispiele. Die Löwin und die Schlange versammelt Musik zweier konkurrierender Sängerinnen in Paris, die Johannes Ultimus de Sternberg anlockten, den letzten Herrn der Burg Sternberg, der 1380 alles in Lippe aufgab, um nach Paris überzusiedeln. Und Fonte lattaia, die Quellen der Milchstraße, verbindet venezianische und toskanische Musik mit einem Liebesroman zweier renaissancebegeisterter Menschen der Gegenwart.
Insgesamt entstanden sechs CDs. Die letzte, Maddalena, wurde über den Förderverein Akademie für Alte Musik Burg Sternberg finanziert, der während der Corona-Zeit aus einem privaten Filmkreis heraus gegründet wurde.
Das letzte Vorhaben
In Wien hatte er während seines Studiums im Kunsthistorischen Museum ein Instrument von Wendelin Tieffenbrucker aus der Zeit um 1590 kennengelernt. Von Detmold aus fuhr er nach Kopenhagen, um im dortigen Musikmuseum ein weiteres zu untersuchen.
Kurz vor seinem Tod sagte er, er werde dieses einzigartige Instrument jetzt nachbauen. Das Holz habe er beisammen, darunter Weide, er müsse nur beginnen.
Was er hinterlassen hat
Über 3.600 Werke hat er gesetzt, übertragen und ediert. Vom Trecento bis zum Hochbarock, in capella und in Score Perfect, über vier Jahrzehnte hinweg.
Der Bestand ist erschlossen und wird Kolleginnen und Kollegen zugänglich gemacht, sobald die Rechtefragen geklärt sind.
Quellen
Die Angaben auf dieser Seite stammen aus Walter Waidoschs eigener Kurzbiografie, aus den Ausschreibungen der Kurse und aus dem Nachruf, den Professor Andreas Kleinefenn in der Lippischen Landes-Zeitung vom 20. August 2025 veröffentlicht hat. Der Todestag ist nach Angabe der Familie der 3. August 2025, im Zeitungsnachruf steht der 2. August. Das Zitat von Maria Dorner-Hofmann erschien in der Passauer Neuen Presse.
Neues über ihn
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